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Großer Aletschgletscher und Fieschergletscher im Berner Oberland der Schweizer Alpen im Gewitter




Das Panorama des Großen Aletschgletschers und des Fieschergletschers im Berner Oberland der Schweizer Alpen im Gewitter.


Nachhall des Donners

Das Panorama des Großen Aletschgletschers und des Fieschergletschers im Berner Oberland der Schweizer Alpen gehört zu den spektakulärsten Berglandschaften Europas.

Die vielversprechende Gewitterlage im August 2015 eignete sich ideal, um dieses Panorama vom Gipfel des Eggishorns (2.869 m) aus zu fotografieren. Die aktive Gewitterlinie war während dieser Aufnahmen noch etwa 6 km entfernt. Der aufziehende Starkregen des Gewitters ist an den strukturlosen grauen Wolken am linken Bildrand hinter dem Bettmerhorn (2.857 m) zu erkennen. Dadurch verblieb vermeintlich noch genug Zeit, um die 57 Aufnahmen dieses 220° Panoramas fertigzustellen, um rechtzeitig den Abstieg vom Gipfel zu beginnen.

Was jedoch bei dieser dynamischen und sich rasch verändernden Wolkendecke selbst für das geübte meteorologische Auge nicht erkennbar war, war die Neubildung einer Gewitterzelle direkt über dem Eggishorn. Hinter dem Metallstativ arbeitend bemerkte ich zunächst nur ein Kribbeln, das von den Füßen zum Kopf lief, woraufhin sich mir die Haare aufstellten. Was ich spürte, war die von unten nach oben verlaufende Vorentladung des sich aufbauenden Blitzkanals. Intuitiv warf ich mich zu Boden, erkannte jedoch, dass ja das Metallstativ nun über mir stand. Im selben Moment krachte es ohrenbetäubend, als gleichzeitig der Blitz einschlug, der Donner durch das weite Gletschertal rollte und von den gegenüberliegenden Felswänden zurück hallte. Als ich mich langsam erhob bemerkte ich Sankt-Elms-Feuerbüschel an meinen Fingerspitzen leuchten. Diese seltenen und geisterhaften durch elektrische Ladungen hervorgerufenen Lichterscheinungen leuchten aufgrund der Spektrallinien der atmosphärischen Gase Sauerstoff und Stickstoff blauviolett. Noch nie zuvor war ich einem Blitz so nahe gekommen. Ich konnte die elektrische Ladung in mir und um mich herum förmlich riechen und schmecken, während mein Körper von Adrenalin durchflutet wurde. Ich beendete in fieberhafter Eile die fehlenden zwei Aufnahmen des Panoramas, warf die Photoausrüstung unsortiert in den Rucksack und hastete vom Gipfel gen Tal, als bereits die nächsten Blitze viel zu nahe einschlugen. Auf dem Weg nach unten erreichte mich schließlich auch der Starkregen. Das Gewitter verlor währenddessen aber an Aktivität und zog allmählich ab.

Der Große Aletschgletscher ist mit 22 km Länge und 1.500 m Breite der flächenmäßig größte und längste Gletscher der Alpen. Seine Schmelzwässer fließen über die Massa in der gleichnamigen Schlucht in die Rhone. Seinen Ursprung hat der Gletscher am Konkordiaplatz der Jungfrau-Region in 3.800 m Höhe. Dort, wo das fahlgelbe Licht der Sonne den Gletscher beleuchtet, befindet sich sein kaltes Nährgebiet. In dieser Region fällt im Winter mehr Schnee als im Sommer abtauen kann. Folglich wächst dort der Gletscher. Die zahlreichen dunklen Bänder, die dem Gletscher sein charakteristisches Aussehen verleihen, sind Mittelmoränen. Sie entstehen dort, wo die einzelnen Gletscher zusammenfließen, die den großen Eisstrom des Aletschgletschers bilden. Der von jedem Gletscher an seinen Rändern mitgeführte Abtragungsschutt sammelt sich entlang der Mittelmoränen. Dort, wo diese Bänder hangaufwärts erstmals sichtbar werden, befindet sich die Höhenlinie, an der die Lufttemperatur im Mittel 0°C beträgt. Unterhalb davon liegt das sehr viel größere und wärmere Zehrgebiet. Hier schmilzt mehr Eis ab als vom Nährgebiet nachfließen kann. Der Blick auf den Eisriesen verrät damit, dass es um seine Eisbilanz schlecht bestellt ist. Seine Mittelmoränen sind am Ende des Sommers bis in höchste Lagen sichtbar und dokumentieren so den dramatischen Massenverlust des Eisriesen. Je schneefreier und damit dunkler die Eisoberfläche wird, desto mehr erwärmt sie sich während des Sommers und desto schneller schmilzt das Eis. Dieser sich selbst verstärkende Rückkopplungseffekt lässt das Eis mit weiter ansteigenden Temperaturen immer schneller abschmelzen. Der Klimawandel hinterlässt somit deutliche Spuren am Aletschgletscher. Sein Zustand spiegelt das globale Fieberthermometer unseres Planeten wider. Zu den Höhepunkten der letzten Eiszeiten füllte der Aletschgletscher das komplette Tal.

Überall, wo heutzutage das Gestein rundgeschliffen frei liegt, war das Tal eisbedeckt. Alle gratig zerklüfteten Gipfel ragten dagegen aus dem reliefübergeordneten Eissystem heraus. Im Jahr 1850, zum letzten Höchststand der Alpengletscher, lag das Eis des Aletschgletschers auf seiner gesamten Fläche rund 100 m höher als heute. Dieser Eisstand ist noch heute erkennbar an den vegetationslosen Seitenmoränen und Felsen, die sich hell gegen die darüber liegenden Felsbereiche absetzen. Seit 1850 hat er sich mehr als drei Kilometer weit zurückgezogen. Am Zungenende verliert der Gletscher gegenwärtig etwa 10 m an Länge pro Jahr. In heißen Sommern können es aber auch mehr als 100 m sein. Seine Fließgeschwindigkeit variiert je nach Messort zwischen 50 und 180 m pro Jahr. Das Eis variiert in seiner Mächtigkeit zwischen 900 m am Konkordiaplatz und 150 m im unteren Verlauf des Gletschers. Klimaprojektionen legen nahe, dass am Ende des Jahrhunderts der Aletschgletscher in seiner zusammenhängenden Form verschwunden sein wird.

Im unteren Bereich des Aletschgletschers kommt es im Bereich der Moosfluh durch den starken Gletscherrückgang zu Instabilitäten der Berghänge. Die dort in Bewegung befindliche kriechende Hangrutschung könnte sogar einen massiven Felssturz auslösen. Der sich zurückziehende Gletscher kann die ihn umgebenden Berghänge schließlich nicht mehr stabilisieren. Zudem zieht sich der Permafrost aus den Berghängen zurück. Dadurch kann wiederum Regen- und Schmelzwasser tiefer in den Fels eindringen und ihn weiter destabilisieren. Häufig wiederkehrende Gefrier- und Auftauprozesse erodieren den Fels rasch weiter. Solche Frostwechseltage gibt es am Aletschgletscher inzwischen an mehr als der Hälfte der Tage des Jahres.

In der Senke zwischen dem Eggishorn und dem Strahlhorn liegt der kleine Märjelensee, der sich beim Gletscherhochstand um 1850 zu einem Gletscherrandsee aufstaute und wiederholt durch Gletscherspalten ausbrach. Dadurch verursachte er Sturzfluten, die sich durch die Massaschlucht bis ins Rhonetal hinein ergossen. Der größere Vordersee wurde dagegen durch Menschenhand aufgestaut.

Ganz am rechten Bildrand leuchtet das 4.274 m hohe Finsteraarhorn, von der Sonne im fahlgelben Gewitterlicht beleuchtet. In dieser Berggruppe entspringt Fieschergletscher. Mit seinen 14.8 km Länge ist er nach dem Aletschgletscher der zweitlängste Gletscher der Alpen.

Das Gefühl in dieser gewittrigen Atmosphäre auf dem Gipfel des Eggishorns hoch über dem Aletschgletscher zu stehen, war berauschend. Das bedrohlich wirkende Licht der Szenerie und die einschneidende Erfahrung, fast vom Blitz getroffen worden zu sein, machten das Erlebnis hinter dieser Aufnahme unvergesslich und einmalig.

August 2015
Canon 5DMkII, Rokinon 14 mm, Blende 16, 1/30 bis 1/125 Sekunde, Panorama aus 57 Einzelaufnahmen, 12091x3629 Pixel, 44 Megapixel, ISO 100, Manfrotto 055B Stativ mit Manfrotto 410 3D Schneckentriebkopf

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