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Die Cracked Eggs der Bisti Wilderness De-Na-Zin in New Mexico unter den Sternen der Milchstraße.




Die Cracked Eggs der Bisti Wilderness De-Na-Zin in New Mexico unter den Sternen der Milchstraße.


Die Jagd nach dem Sternenstaub

Die Bisti Wilderness, auch De-Na-Zin genannt, im Nordwesten New Mexicos gehört mit ihren Cracked Eggs unter dem Sternhimmel der Milchstraße zu den außerirdisch anmutenden Landschaften unseres Planeten. Die Navajos nannten diese Region am südöstlichen Rand des Colorado Plateaus ganz sinnbildlich ‘Großes Gebiet mit Hügeln‘. Der zusätzliche Name De-Na-Zin steht für Kraniche in der Navajosprache und bezeichnet sehr zutreffend das Aussehen vieler der dortigen Felsformationen.

Mit dem Ziel, diese recht abgelegene und skurrile Felsformation der Cracked Eggs unter den Sternen der Milchstraße zu fotografieren, machte ich mich am frühen Morgen auf den langen Weg dorthin. So hatte ich genügend Zeit um das Gelände in Ruhe zu erkunden und die beste Fotokomposition ausfindig zu machen. Inmitten dieser an Formen und Farben so reichen Badlands regen die bis zu zwei Meter langen bizarren Gebilde der Cracked Eggs die Fantasie ganz besonders an. Man möchte in ihnen kriechende Urzeitlebewesen erkennen.

Tatsächlich handelt es sich aber um 73 bis 70 Millionen Jahre alten Schlamm eines Flachmeeres. Dieses Meer bedeckte zur Kreidezeit, während der Blütezeit der Dinosaurier, weite Teile des zentralen nordamerikanischen Kontinents und verband den Golf von Mexico mit dem arktischen Ozean. In diesem Western Interior Seaway genannten Meer lagerten sich im Wechsel Sand, Schlamm und Ton ab. Die am westlichen Rand dieses Meeres gelegene Bisti Wilderness war zu dieser Zeit eine verzweigte Landschaft aus Flüssen, Bächen und Seen mit sumpfigen Wäldern voller Dinosaurier. Später bedeckten Ascheablagerungen von Vulkanausbrüchen diese Landschaft. Die Bisti Badlands, mit diesen Fruitland Formation genannten Gesteinen, sind daher reich an Dinosaurierknochen und fossilen Baumstämmen. Bei der Erosion der Meeresablagerungen wurden die weichen schlammigen Sedimente schneller verwittert als die härteren Sandgesteine. Diese je nach Gestein unterschiedlich schnell ablaufende Verwitterung schuf die bizarren Strukturen der Cracked Eggs, wobei deren Farbe und Muster durch mineralische Ablagerungen im Flusswasser zustande kamen.

Vor etwa 25 Millionen Jahren begann sich dann das Colorado Plateau aus der umliegenden Landschaft herauszuheben, so dass die heutige Bisti Wilderness 1850 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Die Gletscher und Schmelzwässer der letzten Eiszeit trugen vor 6.000 Jahren erheblich dazu bei, die heutige Landschaft der Bisti Badlands freizulegen und zu formen.

Im August kommt es in der Region des Colorado Plateaus immer wieder zu Monsungewittern, wenn feuchte Luft aus dem Süden herantransportiert wird. Diese in unregelmäßigen Wellen auftretenden Wetterlagen sorgen in der Bisti Wilderness neben sehr lokal auftretendem Starkregen unter den Gewitterwolken vor allem für Sandstürme. Diese entstehen, wenn der Bodenwind im Umfeld der Gewittertürme mit Sturmstärke in die Aufwindbereiche der Gewitter gesogen wird. In einen solchen Sandsturm geriet ich an diesem Tag. Für etwa eine halbe Stunde suchte ich Schutz vor dem Sand und Staub in einem kleinen Seitencanyon und atmete durch ein um den Kopf gewickeltes Shirt. Der Starkregen dieser Gewitter erreichte die Bisti Wilderness zwar nicht, sorgten aber für eine spektakuläre Wolkenkulisse. Zur Abenddämmerung entfernten sich die Gewitter immer weiter, so dass nur noch der Horizont wolkenbedeckt war. Als es dunkel wurde, hellte entferntes Wetterleuchten den Horizont auf.

Mit dieser bezaubernden Kulisse der Cracked Eggs im Vordergrund baute ich meine Sternnachführung auf und begann den 180° Bogen der Milchstraße über dieser Landschaft zu fotografieren. Der beeindruckend helle Sternhimmel fernab jeder Stadtbeleuchtung gepaart mit der absoluten Stille in dieser surrealen Landschaft hinterlässt einen tiefen Eindruck. Demütig verschmelze ich mit der Natur, werde Eins mit der Landschaft und dem Sternenhimmel. Nach zweieinhalb Stunden fotografischer Arbeit am Milchstraßenpanorama war meine Sternnachführung maximal weit ausgefahren und fuhr daher automatisch in ihre Nullstellung zurück. Zum Zeitpunkt des Rückfahrens der Sternnachführung war der Kameraverschluss vier Minuten lang offen und hatte punktförmige fotografiert. Jetzt addierten sich zu dieser Belichtung weitere 30 Sekunden des rück-rotierens der Sternnachführung, was Sternenbögen einer Länge von zweieinhalb Stunden entspricht.

So ergab sich eine Kombination aus nachgeführtem und rotierten Sternhimmel, wobei der Polarstern im Zentrum der Rotation punktförmig verblieb. Nur die hellen Sterne am Nachhimmel wurden dabei zu Strichspuren, da die Kamera ihr Licht schnell genug sammeln konnte. Besonders auffällig ist das Siebengestirn der Plejaden. Das diffuse Wetterleuchten der Gewitter am Horizont mit den sich schwarz gegen den Himmel abzeichnenden Wolken komplettierten dieses Bild zu einer einmaligen Komposition. Es erschien mir, als würden urzeitliche Wesen den vom Himmel fallenden Sternenstaub nachjagen.

Während der Langzeitbelichtungen meiner Astroaufnahmen bewege ich mich so gut wie gar nicht, um keinerlei Erschütterungen auf das Stativ zu übertragen. Nach Beendigung der Aufnahmen schaltete ich dann meine Stirnlampe ein und erkundete mein Umfeld. Dabei fiel mir sofort eine Fährte ins Auge, die meine eigene Spur im rechten Winkel kreuzte. Die charakteristischen Abdrücke im sandigen Boden verrieten die Anwesenheit eines Pumas. Wann entstand diese Spur? Ich untersuchte die Fährte genauer und fand den Abdruck einer Tatze in meiner eigenen Fußspur. Dieser Puma war da, während ich im Dunkel der Nacht diese Aufnahme machte. Er hatte mich beobachtet, währenddessen ich keine Ahnung von seiner Gegenwart hatte. Mich durchflutete dieses intensive und demütige Gefühl Gast im Zuhause eines Pumas zu sein. Ich spürte meine stumme Frage, ob ich hier willkommen bin. Ich habe diesen majestätischen Berglöwen nicht zu sehen bekommen, aber sein Tatzenabdruck in meiner Fußspur unweit meines Statives signalisierte mir seine Antwort: Ich weiß, dass du da bist, ich erkenne deine Demut und ich dulde dich in meinem Territorium. Wäre es anders gewesen, hätte sich der Puma sehen lassen und mir zu verstehen gegeben, dass ich nicht willkommen bin.

August 2018
Canon 5DSR, Rokinon 14 mm, Blende 2.8, Komposit aus statischer und dynamischer Aufnahmen von je 4:30 Minuten, 15.312x5.753 Pixel, 88.1 Megapixel, 1600 ASA, Manfrotto 055CB Stativ mit Manfrotto 410 Schneckentriebkopf, AstroTrac TT320 digitale Sternnachführung.

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