Diese imposante isländische Eishöhle befand sich im Januar 2011 im Svínafellsjökull Gletscher in Skaftafell. Sie war beeindruckende 50 Meter lang, 10 Meter breit und 7 Meter hoch.
Äußerst seltene Kälteperioden im Winter Islands bieten die Gelegenheit, sich auf die zugefrorenen Gletscherseen zu wagen. Nur so ist der Zugang zu diesen Eisgrotten überhaupt möglich. Die Lagunen frieren bei Außentemperaturen unter −8 Grad Celsius über einen längeren Zeitraum hinweg zu. Dann können Eisdicken von mehr als 50 Zentimetern erreicht werden. Dies klingt solide genug, um den See zu betreten, allerdings herrschen enorme Spannungen im Eis durch die schiebende Wirkung des Gletschereises. Solch eisige Bedingungen stabilisieren auch die ansonsten extrem fragilen Eishöhlen so weit, dass ein kurzer Zugang riskiert werden kann. So beobachtete ich diese besonders schöne Eisgrotte über einen längeren Zeitraum, um deren Stabilität einschätzen zu können.
Die Fließbewegung des Gletschers verlangsamt sich nämlich nicht während der kalten Jahreszeit. Allein durch die Schwerkraft angetrieben, kriecht das Eis mit einer bemerkenswerten Geschwindigkeit von bis zu einem Meter pro Tag die Hänge der Eiskappe hinunter. Auch alle Eishöhlen im Gletscher, die durch Schmelzwasserkanäle im Eis gebildet werden, folgen dieser Bewegung. Das Betreten dieser Eishöhle eröffnete mir eine bezaubernde und märchenhafte Welt, die von permanenten, beängstigenden und zugleich atemberaubenden Knack und Knirschgeräuschen des sich bewegenden Eises begleitet wurde.
Den Gletscherrand erreicht das Eis in einem Alter von etwa 1.000 Jahren. Mehrere horizontal gelagerte schwarze Schichten durchziehen das Eis. Sie entstanden durch vulkanische Asche, die auf den Schnee fiel, als Vulkane unter der Eiskappe wiederholt explosiv ausbrachen. Die Asche wurde von weiteren Schneefällen bedeckt. Durch sein Eigengewicht wurde der Schnee mit der Zeit allmählich zu Gletschereis verdichtet und begann seine lange Reise talwärts. Die tiefblaue Farbe des Eises entsteht, wenn die das weiße Licht streuenden Luftbläschen durch zunehmende Verdichtung herausgepresst werden. Der gefrorene Boden der Eishöhle ist der See der Gletscherlagune, und aus der Öffnung des Gletschertores ergießt sich in der warmen Jahreszeit ein Schmelzwasserstrom.
Der Schritt in diese eisige Grotte war wie ein Zutritt in ein verzaubertes Reich. Der Blick nach innen in den Eistunnel überwältigte mich vollkommen. Durch das pausenlose Krachen und Schieben im Eis in die Realität zurückgeholt, saß ich hinter meinem Stativ und fertigte das Bild nach innen in den Gletscher an. Nach etwa zehn Minuten war das Bild fertig, und ich drehte mich um, mit der Absicht, schnell diesen gefährlich schönen Ort zu verlassen. Was ich jedoch nun zu sehen bekam, war der atemberaubende Blick von innen nach außen gegen den gelbroten Himmel des Sonnenuntergangs. So verbrachte ich weitere zehn Minuten mit der Anfertigung dieses Bildes. Dieses Erlebnis löste solche Emotionen in mir aus, dass dieses berauschende Gefühl von Ehrfurcht, Demut und Bewunderung seitdem in mir fortlebt. Was dieses Bild so besonders macht, ist einerseits, dass bislang niemand auf die Idee kam, solche Eisgrotten von innen nach außen aufzunehmen, und vor allem die Tatsache, dass dieses Bild nicht reproduzierbar ist. Im Frühjahr ließen die steigenden Temperaturen zuerst das Eis des Sees schmelzen und anschließend die Eisgrotte zusammenbrechen. So verändert sich diese Landschaft permanent. Neue Eishöhlen entstehen und alte fallen in sich zusammen. Wer genug Ausdauer und Erfahrung hat, kann die Magie dieser Eisgrotten erleben, und jede Fotografie ist und bleibt ein Unikat.











