Der Subway Canyon im Zion Nationalpark in Utah ist eine einzigartige Felsformation im Unterlauf des Left Fork of the North Creek, eines Nebenflusses des Virgin River, der durch Zion fließt. Im größeren Rahmen betrachtet, befindet sich der Zion Nationalpark am westlichen Rand des Colorado Plateaus. Die Subway ist einer der schönsten Slot Canyons in der Region, der sich tief in den Navajo Sandstein eingeschnitten hat, eine Gesteinsformation aus der Zeit der Dinosaurier vor mehr als 190 Millionen Jahren.
Der Navajo Sandstein bildete sich während der Jurazeit, als das Gebiet eine ausgedehnte Wüste mit Sanddünen war. Mehr als 600 Meter mächtige Schichten aus Quarzsand gelangten über Flüsse und Bäche durch die Verwitterung der Appalachen im Osten Amerikas hierher. Der vom Wind verwehte Sand bildete mächtige Dünen, und die Landschaft ähnelte sicherlich dem Aussehen der heutigen Sahara. Im Laufe der Zeit wurde der Sand mit seinen Eisenoxiden verdichtet und zementierte so zum heutigen Sandstein.
Es sind diese winzigen Mengen an Eisenoxiden, die den Gesteinen des Colorado Plateaus ihre außergewöhnliche Farbpracht verleihen, denn durch den Kontakt mit dem Sauerstoff in der Luft und im Wasser entsteht Rost. Die unterschiedlichen chemischen Zusammensetzungen dieser Oxide werden als Hämatit, Limonit und Goethit bezeichnet und färben den Quarzsand tiefrot, gelb und sogar rosa.
Die Subway befindet sich in den untersten und damit ältesten Schichten dieser Navajo Sandsteinschicht. Tektonische Bewegungen, die mit der Hebung des Colorado Plateaus einhergingen, zerbrachen diese Gesteinsschichten vertikal. In diese Brüche ist noch älteres Gestein der unterliegenden Kayenta Formation eingedrungen. Diese Kayenta Gesteine bestehen aus schlammigen Fluss und Seeablagerungen und werden als Schluff oder Siltstein bezeichnet.
In dieser Landschaft wimmelte es von Leben, darunter auch Dinosaurier, deren Fußabdrücke in den Felsen des Canyons verewigt sind. Dieser Kayenta Siltstein ist wesentlich weicher als der harte Navajo Sandstein und verwittert daher schneller durch die einwirkenden Kräfte von Wasser und Wind. Als der North Creek begann, durch das Gebiet zu fließen, trug er zunächst den Sandstein entlang der Brüche im Gestein langsam ab und bildete mit einer Verwitterungsrate von 0,4 Millimeter pro Jahr, der Größe eines Sandkorns, langsam einen Slot Canyon. Innerhalb von einer Million Jahren schnitt sich der Fluss 400 Meter in den Sandstein ein, und es dauerte etwa zwei Millionen Jahre, bis der heutige Zion Canyon entstand. Sobald der Fluss den weicheren Siltstein erreichte, kehlte er die einzigartige, auf dem Kopf stehende Schlüssellochform des Subway Canyons aus. Die engen, gewundenen Passagen und die glatten, geschwungenen Wände sind ein Zeugnis für die Kraft der Verwitterung und die Schönheit der Natur. Es ist diese sogenannte differentielle Verwitterung des unterschiedlich harten Gesteins, die das weite und runde Innere des Canyons formt, während die Canyonwände aus hartem Sandstein darüber eng zusammenstehen und steil sind.
Die Subway weist viele interessante geologische Strukturen auf, darunter die Potholes. Sie sind kreisförmige Strudellöcher, die durch das wirbelnde Wasser entstanden sind und sich, wie hier, mit der Zeit zu länglichen, badewannenartigen Formen ausweiten können. Zudem gibt es Brüche und Klüfte im Gestein, die als lange, schmale Rillen parallel zur Gesteinsoberfläche sichtbar sind. In ihnen fließt das Wasser wie in Kanälen ab. Die stärkste Verwitterung findet während sommerlicher Gewitter statt, wenn sich örtlich begrenzt fallender Regen an der tiefsten Stelle im Gelände sammelt und sich dann als Sturzflut durch den Canyon ergießt. In solchen Momenten werden die Slot Canyons im Südwesten der USA zur tödlichen Falle, weswegen hier gute Wetterkenntnisse zur Lebensversicherung werden.
Aus dem richtigen Winkel fotografiert, erscheint die Subway sogar oben geschlossen, sodass sie wie ein Tunnel mit faszinierender Beleuchtung wirkt. Dieses goldene Licht ist nur für ein paar Minuten um die Mittagszeit sichtbar, kurz bevor die Sonnenstrahlen den Grund des Canyons erreichen. Dieses magische Licht entsteht durch die Reflexion des Lichts an den Wänden des Canyons. Während die Sonne über den Himmel wandert, beleuchtet sie durch mehrfache Streuung indirekt verschiedene Teile des Canyons und hebt seine einzigartigen Farben und Strukturen hervor.
Insbesondere die geschwungenen Wände der Subway Formation sind dafür berühmt, das Licht auf beeindruckende Weise zu reflektieren. Um diesen Lichtmoment einzufangen, gerät der über sieben Kilometer lange und weglose Pfad zur Subway zum Wettlauf mit der Zeit. Gute Geländekenntnisse, bergsteigerische Fähigkeiten und Ausdauer sind hier Voraussetzung für den Erfolg.
Es ist ein einmalig emotionaler Moment, wenn man es rechtzeitig dorthin geschafft hat und miterleben darf, wie die Sandsteinwände golden aufleuchten. Zusammen mit dem fließenden Wasser und seinen ebenfalls einzigartigen Farben schafft dies eine Atmosphäre, die die ewige Reise der Elemente erlebbar macht.










