Traumszene

Der leuchtend grüne Wald, der sich im Alpensee Lago di Saoseo im Val da Camp im Schweizer Graubünden spiegelt, wirkt im morgendlichen Gegenlicht wie verzaubert. Im Sommer bricht das Morgenlicht über den Bergkamm und erwärmt die eiskalte Luft in diesem hoch gelegenen Bergtal. Der Lago di Saoseo hüllt sich dann für einen flüchtigen Moment in mystischen, gegenlichtigen Dunst und Nebel, der in der eiskalten Morgenluft über dem See und im Wald aufsteigt. Dort, wo die Gletscher tiefe Pfannen aus dem Gestein kehlten, bildeten sich nach dem Ende der Eiszeit Karseen, die zu den landschaftlichen Juwelen der Alpen gehören. Ein Felssturz schuf hier eine zusätzliche Barriere, die diesen See zu seiner heutigen Größe aufstaute.
Die Entstehung der Alpen ist ein komplexer geologischer Prozess, der seit 250 Millionen Jahren abläuft und immer noch anhält. Der über 1000 km breite Urozean Tethys wurde dabei mitsamt seinem Tiefseeboden auf weniger als 100 km zu­sammen­ge­schoben. Afrika rammte dabei Europa und es entstand ein Faltengebirge mit Deckenaufbau. Der schwere vulkanische Boden des Ozeans verschwand per Subduktion in der Tiefe der Erde und wurde aufgeschmolzen. Seine vergleichsweise leichte Se­diment­last wurde dagegen beim Abtauchen der Platte abgeschabt, und in Decken übereinander zum Gebirge der Alpen aufgefaltet. Die oberen Kalkablagerungen dieser Ozeansedimente findet man heute in Höhenlagen bis 2500 m. Zwischen den Gesteinen der Zentralalpen findet man zusätzlich häufig Grüngesteine. Die durch hohen Druck und Temperatur im Erdinneren bei der Gegirgsbildung vielfach veränderten und umgeformten (metamorph überprägten) Gesteine sind die Reste des vulkanischen Ozeanbodens bestehend aus ehemaligen Basalten und Gabbros. Sie wurden, was extrem selten ist, nicht mit der Subduktion der Ozeanplatte in die Tiefe gezogen, sondern bis in 4000 m Höhe an Land aufgefaltet. Turmalin, Smaragd und Granat gehören zu den bekanntesten Mineralien dieses Gesteinstyps, der sich Ophiolithkomplex nennt. Das grünglänzende Gestein trägt den Namen Serpentinit.

August 2004
Pentax K2, Pentax 24 mm, Blende 22, 1/8 Sekunde, Scan vom Kodak Ektachrome E6 Dia, 100 ASA, Stativ
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